Veränderte Kommunikation im Ausbildungsbetrieb

 

In nahezu jedem Ausbildungsbetrieb kann es passieren, dass dringende Arbeiten außerhalb der regulären Arbeitszeit durchgeführt werden müssen. Dies sollte eine absolute Ausnahme sein, doch manchmal zwingen äußere Umstände dazu.

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an die Erzählung der Ausbilderin eines mittelständischen Elektrobetriebs.

 

Vor einigen Wochen hatten wir einen großen Auftrag in einem Unternehmen, der betriebsbedingt nur an einem Samstag durchgeführt werden konnte. Die komplette Elektrik einer Anlage musste gecheckt werden. Dazu musste der Strom ausgeschalten werden und das geht natürlich nur, wenn niemand im Werk ist.

 Das heißt, unsere Mitarbeiter mussten ausnahmsweise am Wochenende ran. Für den Meister und den Gesellen war das kein Thema, nur unser Azubi suchte alle möglichen Ausflüchte. Wir machten ihm klar, dass dieser Auftrag sehr wichtig ist, die Arbeitszeit nur eine Ausnahme ist, wir ihn dringend brauchen und er den Tag natürlich extra bezahlt bekommt. Murrend fügte er sich.

 Zwei Tage vor dem Termin hatte er sich beim Zuklappen unseres Sonnenschirms einen Finger so geklemmt, dass er sich bis zur nächsten Woche krankschreiben ließ. Der Sonnenschirm war auf unserem Betriebsgelände, somit war der Vorfall ein Arbeitsunfall. Die Woche drauf habe ich mit dem Azubi den Unfallbericht ausgefüllt und ihn gefragt, was denn jetzt genau mit dem Finger los war. Er fing an rumzudrucksen, knetete den Finger und murmelte etwas von Gequetscht und Schmerzen.

 „Du bist ein ganz schönes Cleverle“, entfuhr es mir, „dass dir das genau vor dem Samstag passiert, an dem wir dich gebraucht hätten.“

Was drückt diese Geschichte aus?

Enttäuschung, Frustration, Unverständnis, Ärger und die Frage nach dem WIE einer Ausbilderin:

  • Wie steigere ich die Bereitschaft meines Azubis, sich mehr im Arbeitsalltag zu engagieren?
  • Wie kann ich ihn besser ans Unternehmen binden?
  • Wie bringe ich ihn dazu, sich stärker mit dem Betrieb zu identifizieren?

Enttäuschung, Frustration, Unverständnis, Ärger und die Frage nach dem WARUM eines Auszubildenden.

  • Warum braucht mein Ausbilder ausgerechnet mich so dringend?
  • Warum erkennt meine Ausbilderin mein Dilemma nicht? Ich hatte einem Freund versprochen, ihm an diesem Wochenende beim Umzug zu helfen.
  • Warum glaubt sie mir nicht?

Verständliche Emotionen und gute Fragen.

Die Altersgruppe der jetzigen Auszubildenden definiert sich eher über private Zufriedenheit und nicht so stark über beruflichen Erfolg. Der berufliche Ehrgeiz ist oftmals weit weniger ausgeprägt als in früheren Generationen. In erster Linie wollen die jungen Leute Entscheidungen nachvollziehen können. Ihre innere Motivation sich zu engagieren, wächst je mehr sie einen Sinn in ihrer Aufgabe erkennen und verstehen.

 

Wie sag ich’s meinem Azubi?

Diese Gedanken vor Augen, wird schnell klar, dass sich die Ansprüche an die Kommunikation im Ausbildungsbetrieb sehr geändert haben.

Vor einigen Jahren noch sagte der Lehrherr schlicht: „Du machst!

Heutzutage finden weitaus mehr Gespräche statt: Die Sinnhaftigkeit von Lerninhalten wird genau erläutert und gemeinsam erarbeitete Ziele sollen den Azubi animieren seine Einsatzbereitschaft zu steigern.

Ich finde, das klingt ziemlich anstrengend. Nicht jeder ist der geborene Kommunikationsexperte. Auch kann ich mir vorstellen, dass herausfordernde Gespräche oft wertvolle Energie rauben, sowohl beim Ausbildenden als auch beim Azubi?

 

Beide Seiten müssen lernen

Das Gute ist, wenn Sie sich Ihrer veränderten Rolle bewusster werden, können Sie leichter und entspannter auf die jeweilige Situation eingehen. Ihr Azubi versteht die Zusammenhänge besser und lernt, weshalb manche Vorgehensweisen betrieblich notwendig sind.

 

Lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, wie Ihre Azubis eine Extrameile für Sie gehen!